Evangelische Schulstiftung - Nachricht


Abdullah ist unverzichtbar

Integration und Inklusion sind Kernthemen am Evangelischen Montessori-Schulhaus in Freiburg. Der Schulalltag geht weit über regulären Unterricht und Deutsch lernen hinaus. Auch, weil ein Lehrer aus Syrien dem Lehrerkollegium als kultureller Brückenbauer zur Seite steht.

Dass die Integration von Geflüchteten am Evangelischen Montessori-Schulhaus in Freiburg so gut klappt, liegt auch an Abdullah Alfandi. Der Englischlehrer aus Syrien hat zunächst für begrenzte Zeit als Freiwilliger die DaZ-Lehrerin (DaZ=Deutsch als Zweitsprache) unterstütze. Weil sich das Montessori-Schulhaus für die Teilnahme am Förderprogramm Integration der Evangelischen Schulstiftung in der EKD beworben hatte und eine Zusage für eine Fördersumme von insgesamt 87.375 Euro bekommen konnte, war es auch möglich, Abdullah Alfandi für einen längeren Zeitraum anzustellen. Jetzt ist er ein unverzichtbarer Kulturdolmetscher geworden.

„Unsere Gesellschaft ist bunt. Genauso bunt ist unsere Schulgemeinschaft. Alle gehören dazu, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion. Das ist unser Anspruch als evangelische Schule“, sagt Schulleiter Klaus-Dieter Schöfer-Bea. Er, seine Kolleginnen und Kollegen und überhaupt die ganze Schulgemeinschaft empfinden es als bereichernd, verschiedene Religionen und unterschiedliche sozio-kulturelle Vorstellungen kennenzulernen.

Deshalb ist es eigentlich fast schon logisch, dass sich diese evangelische Schule für Geflüchtete engagiert. Konkret sieht das so aus: Im April 2016 lernten geflüchtete Kinder zunächst in einer Vorbereitungsklasse. Eine pensionierte Grundschullehrerin unterrichtete die etwa zwanzig Schülerinnen und Schüler. Viele litten und leiden bis heute unter den traumatisierenden Erlebnissen in ihren Herkunftsländern und später auf der Flucht. Schnell wurde klar, dass die Fülle an Aufgaben - Deutsch lernen, Wissenslücken schließen, Kontakt zu Eltern, Sozialarbeitern, Familienangehörigen suchen - einer eigenen Klassenlehrerin bedarf.

Im folgenden Schuljahr wurde eine Lehrerin mit Arbeitsschwerpunkt Deutsch als Zweitsprache (DaZ) eingestellt. Sobald die Schülerinnen und Schüler besser Deutsch konnten, lernten sie in ihrem Alter gemäßen Klassenstufen und dort nach dem Montessori-Konzept – mit viel Freiarbeit, Selbststudium und Lehrerinnen und Lehrern als Lernbegleitern.

Nach fast eineinhalb Jahren wurde die Vorbereitungsklasse aufgelöst. Jetzt nehmen alle Schülerinnen und Schüler so weit möglich am Unterricht der Stammklasse teil, parallel dazu bekommen sie wenige Stunden pro Woche gezielte DaZ-Förderung in Kleingruppen, bei denen Abdullah Alfandi unterstützt – übrigens auch als Übersetzer bei Elterngesprächen, häufig auch im Unterricht. „Durch die Flucht waren manche Kinder vier oder fünf Jahre gar nicht in der Schule, es gibt so viel nachzuholen“, sagt Alfandi. Mathewissen fehlt, auch Physik. Da versucht er, durch leicht verständliche Videos niedrigschwellig Wissen zu vermitteln. Und er erklärt den Familien der Geflüchteten die deutsche Kultur – und den Lehrerinnen und Lehrern die Kultur der Geflüchteten.

Je jünger die Kinder sind, die mit ihren Familien nach Deutschland kommen, desto leichter tun sie sich mit der Integration. Integration kann aber auch bei den älteren Jugendlichen gelingen – vor allem, wenn sie jemanden wie Abdullah Alfandi an der Seite haben, der selbst Fluchterfahrung hat. Der ihnen Mut macht, und der aber auch mal Klartext redet: „Ich sage den Schülern immer wieder, wie wichtig gute Bildung ist. Das ist eine großartige Chance, nutzt sie!“ meint Abdullah Alfandi.