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Vom Ringen um Worte

(Bad Düben, 30.31.08.2019) Workshop mit Schülern und Schülerinnen am Evangelischen Schulzentrum Bad Düben

Auf dem Weg in die Inklusion zwischen Hausordnung und Haltung.

Weiterkomm-Workshop der „Gemeinsam in die Inklusion“- Förderung der Evangelischen Schulstiftung in der EKD.

 „Inklusion heißt für mich, Gleichbehandlung und Respekt für alle“, „Wertschätzung“, „Inklusion ist bunt“, „Offenheit“ und „Jeden so nehmen wie er ist“… so klingt es durch den Raum. „Eigentlich weiß ich nicht genau, was Inklusion heißt“, sagt eine 12-jährige Schülerin nachdenklich. „Abenteuer und Spaß miteinander“ antwortet Mica, 4. Klasse. Klar ist: Inklusion ist mehr als Kinder mit und ohne Behinderung zusammen lernen zu lassen. Aber wie genau kann an einer Schule, die sich auf den Weg gemacht hat, eine inklusive Haltung entstehen? Und welche Regeln und Vereinbarungen lassen sich aus Werten aus dem Inklusionsindex für den konkreten Schulalltag ableiten?


21 Menschen sitzen an diesem Freitagnachmittag im Kreis – Eltern, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, eine Schulbegleitung und eine Erzieherin. Sie sind auf dem Weiterkomm-Workshop der „Gemeinsam in die Inklusion“- Förderung der Evangelischen Schulstiftung in der EKD. Moderiert wird der Workshop von drei Coaches der Initiative Neues Lernen, die gemeinsam mit den Schulleitungen und der Inklusions-Koordinatorin des Evangelischen Schulzentrums Bad Düben (ESZ) diesen Tag vorbereitet haben.


Am ESZ lernen rund 280 Schülerinnen und Schülern der Grund- und Weiterführenden Schule. Seit letztem Schuljahr gibt es auch einen gymnasialen Zweig – eine Trennung, die nicht von allen so gewünscht war. „Die Aufteilung in Oberschule und Gymnasium führt schon dazu, dass mehr Schubladen entstehen“, sagt Leonie, 8. Klasse. „Die Beleidigungen haben zugenommen und es wird schnell mal jemand als ‚dumm‘ oder ‚Gymmi, halt‘  beschimpft. Eigentlich passt das nicht zu dem Respekt und der positiven Haltung gegenüber uns selbst und anderen, die wir haben wollen“, schlussfolgert sie. Leonie ist Klassensprecherin. Gemeinsam mit drei anderen sitzt sie im neu gegründeten Schulparlament und versucht für die Weiterführende Schule Regeln in den heutigen Workshop einzubringen. Dabei geht es um praktische Fragen wie WLAN und Handynutzungsregeln, aber auch um die Sauberkeit von Toiletten, das Hausschuh-Gebot und die Frage, ab welcher Klasse man weiß, was „rücksichtsvoll“ heißt.
Wie alle Workshops der Initiative Neues Lernen startet auch dieser spielerisch, aber trotz Knetfiguren und Pfeifenputzern werden die Diskussionen schnell ernsthaft. In wunderbar hörender und wertschätzender Atmosphäre verbinden die Teilnehmenden die Werte aus dem Leitbild und Regeln aus der Hausordnung mit dem Inklusionsindex und erarbeiten Kompromisse und neue Vorschläge. Macht es Sinn, an einer inklusiven Schule mit Augenkontakt grüßen zu müssen? Welche Regeln sollen für alle gelten und wo braucht es Spielraum? Und was genau heißt eigentlich ‚gewaltfreie Kommunikation‘?
Trotz großer Wärme waren auch am Samstagvormittag noch sieben Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Jahrgängen dabei. „Kloputzen als Gruppenstrafe ist so blöd“, sagt Fleur und schlägt vor, stattdessen einen Klassen-Wettbewerb zu veranstalten, in welcher Woche das Schul-Klo heile und am saubersten geblieben ist. „Und als Belohnung kriegen wir dann weiches Klopapier mit Comics oder so, damit man gerne in der Schule auf Klo geht.“


Aufgrund des hohen Engagements der Schüler*innen und Eltern geht der Schulentwicklungsprozess partizipativ weiter: so gehen z. B. die konkreten Ausarbeitungen von Handyführerscheinen und Eltern-Schul-Schüler*in-Verträgen zurück ans Schulparlament, um die Handynutzung in der Schule gemeinsam zu klären. Auch zum nächsten Pädagogischen Tag im nächsten Monat werden alle Beteiligten eingeladen. „Ich bin froh und dankbar, dass wir so konstruktiv arbeiten können und lade alle ein, sich weiterhin zu beteiligen, denn nur gemeinsam kriegen wir gute Regeln für unsere Schule.“, so Suse Potyralla, Inklusions-Koordinatorin des ESZ Bad Düben. „Gleichzeitig ist mir schon klar, dass der Weg noch echt lang ist und wir noch viel zu tun haben, um aus den Regeln dann auch eine gemeinsame Haltung im Kollegium zu entwickeln.“

 

Text / Foto: Friederike Goedicke, Fachbereichsleitung Integration und Inklusion, Evangelische Schulstiftung in der EKD


 
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